Auszüge aus einem Cora Frost-Interview
im Deutschlandfunk, Mai 1997:


Fugu

Fugu ist ein Fisch aus Japan, in Japan eine ganz große Delikatesse. Die ganze Familie sitzt um den Tisch herum und isst diesen leckeren Fisch und alle sind ganz guter Dinge und plaudern und unterhalten sich: Ist das ein leckerer Fisch, ein ganz besonderer Tag, heute: Fugu-Tag. Aber, wenn die Mutter diesen Fisch zu langsam ausnimmt, oder mit ihrem Küchenmesser die Gallenblase anritzt, dann fließt das Gift in den Fugu-Fisch hinein und er ist furchtbar giftig: Und die ganze Familie fällt vom Stuhl und es dauert Stunden, bis alle tot sind.... (Das gibt dann eine Folge Lindenstraße, mindestens.) Man sieht: es ist wie mit der Liebe, es kann so oder so sein...


Die Liebe

Man kann sie nicht forcieren. Die
Liebe ist was, was sehr schön sein kann, wenn man auf sie stößt. Kann einen aber auch ziemlich vernichten.


Ihre Geschichten

Die Geschichten, die ich schreibe, das sind zuerst mal persönliche
Geschichten, aber ich schreibe neue daraus. Es entsteht eine neue Geschichte, ... für das Publikum, das dann seine eigene Geschichte in dieser Geschichte erleben kann. Das heisst, es ist eigentlich nicht mehr meine Geschichte. Ich stehe ja auch nur indirekt auf der Bühne...

Das Lied "The Golden Hula Story" handelt von einem
Mädchen, das eine Flasche Rum trinkt in einer großen Stadt, und dann stirbt sie, das heißt, sie erstrickt an ihrem Erbrochenen - wie man halt so stirbt, an einer Alkoholvergiftung. Und dann sinkt sie ganz tief ins Wasser und dann kommt ein schmerzensreicher Nix und kämmt sie und macht den Beton aus ihren Betonflossen, und dann verkorkt er sie wieder in die Flasche und schreibt drauf:"So jung und schon so versoffen."
Ich war mal in Hawaii mit einem Freund, der Tänzer gesucht hat für einen Nachtclub. Wir sind nachts nach der Ankunft spazieren gefahren und sind dann ausgestiegen am Ende der Straße, und da war diese Hula-Sängerin und watete im Fluss mit Bier und Zigaretten und hat uns zugewunken. He! Und so... Wir mußten dann ins Wasser kommen und sind da rumgewatet und ihre Freunde haben immer Bier rübergeschoben, das schwamm dann so auf dem Wasser. Und wir haben im Wasser gehend geraucht und sind geschwommen und dann habe ich ihnen was vorgesungen und sie haben mir was vorgesungen und dann haben wir zusammen gesungen, in diesem Wasser.

Das ist ein Teil der Geschichte. Und der andere Teil ist, als ich jung war, also so mit 14 oder 15, da habe ich auch mal eine Flasche Rum getrunken und wäre beinahe dran gestorben. Und ich habe zu dem Freund gesagt - so im Flugzeug, wie wir über das Meer geflogen sind, und es war alles so blau und sah von oben aus wie so Regenbogen-Farben in Blautönen - und ich habe zu ihm gesagt, "Wenn ich damals gestorben wäre, wäre ich wahrscheinlich sofort hier wiedergeboren worden, in dem Rum-Land, wo das Meer so blau ist."


Von München nach Berlin

Es ist eine große Reise, wie sich alles entwickelt hat und wen man alles getroffen hat und was sich entwickelt hat, das ist für mich auch wie so ein kleines Wunder. Und was auch heisst: Ohne meine Freunde und meine Geliebten, und ohne alle Leute, denen ich begegnet bin, wäre überhaupt nichts entstanden. Und ohne die Hilfe meiner Freunde und die Liebe meiner Freunde, und das zieht sich natürlich von
München, von den ganz frühen Anfängen bis jetzt. Man kann nichts alleine machen. Das ist totaler Quatsch.

... Ich bin nicht mehr so isoliert, in
München ist man ja so etwas isoliert. Also, ich war isoliert. Ein Freund von mir hat mal gesagt, ich hätte da als leicht asozial gegolten. Ich hatte dort etwas Monströses, was hier wegfällt. In Berlin bin ich kein Monster. ... Ich wusste nicht, was ich verkehrt gemacht habe, ich bin nie dahinter gekommen...

... Das, was ich an München möchte, hab ich natürlich noch mit rüber genommen, die Frauenkirche und so seltsame Sachen. Aber es verblasst so langsam. Hier in Berlin sind dann auch andere Verbindungen wieder da.

....Ich fühle mich sehr wohl inzwischen in Berlin, weil’s hier so viele Filme gibt. Also nicht nur einen Film. In München gibt’s nur einen Film und in Köln gibt’s nur einen Film. In Berlin kann man hin- und her springen. Das ist sehr schön....

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